Klosterkirche

Innocent VI

Papst Innozenz VI. ließ die Kirche Saint Jean-Baptiste, später Sainte-Marie, für die Chorgottesdienste der Gemeinschaft bauen. Der heutige Zustand hat wenig mit der Kirche von 1356-1362 zu tun. Der Raum war damals wesentlich kleiner (drei Sitzreihen) und genügte den 12 Priestermönchen und dem Brüderchor. Das Gebäude war entsprechend der Prinzipien des Kartäuserordens und der gewollten Strenge extrem schlicht. Die südfranzösische, gotische Architektur war generell schlicht. Zur gleichen Zeit wurde der Papstpalast in Avignon immer prunkvoller.

 Tombeau Innocent VI Gisant Innocent VI

Grab und liegende Figur von Innozenz VI., Papst in Avignon 1352-1362. Auf seinen Ländereien in Villeneuve ließ Innozenz VI. ein Kartäuserkloster entstehen (s. Geschichte des Bauwerks und Kartäuserorden).

Er wolle sich im Kloster begraben lassen, was aber einige Probleme aufwarf. Kartäusermönche wurden in der Erde bestattet, einziges Zeichen ist ein Kreuz auf dem Grabhügel. Wenn das Kreuz umfiel, wurde der Platz für einen anderen Mönch frei. Ein Papstgrab hätte durch seinen Reichtum und seine Pracht schockiert. Zudem wurde niemand dort begraben, der nicht aus dem Kloster kam. Es schien aber unmöglich, dem Oberhaupt der Christenheit zu widersprechen, also schwieg der Orden (als Ausdruck seiner Missbilligung). Der Papst ließ sich eine Kapelle bauen.

Porte de l'église Porte de l'église
Tür der Ordenskirche nach einer Zeichnung von François de Royers de la Valfenière.
 
 Brèche de l'église
Blick von der Öffnung auf den Lettner.
 
Le Jubé

Vor dem LETTNER ist das erste Joch den Chormönchen vorbehalten.

Das aufgebrochene Bauwerk hat seinen Altarraum eingebüßt. Durch die Öffnung kann man den Mont Andaon und das Fort Saint André sehen. Sie entstand im 19. Jh., als das verlassene und verwilderte Kloster allen möglichen Personen als Behausung diente. Die Grabstätte von Innozenz VI. (s. unten) wurde zum Hasenstall und es wird erzählt, dass die heilige Stätte zusammenbrach, als ein Bauer das Gewölbe benutzte, um dort Lasten aufzuhängen und hochzuziehen.

Église Voûtes de l'église

Schlichte, eindrucksvolle GEWÖLBE. Der gotische Baustil zeichnet sich in Südfrankreich durch Vollwände aus. In Nordfrankreich bevorzugte man in der Gotik Säulen und durchbrochene Wände, um durch Kirchenfenster das Licht einzulassen. Hier stützt die Wand das Gewölbe, die Meditation konzentriert sich auf die Innerlichkeit. Die Verbindung zu Gott ist etwas ganz Persönliches

 

 

Die UMR MAP (Labor des CNRS) hat eine Digitalisierungskampagne und eine 3D-Wiedergabe der Chartreuse in Arbeit, dabei insbesondere die Kirche und Gemälde rekonstituiert, die hier zu Zeiten der Kartäuserpater vorhanden waren. Hier kann ein erster, fertig gestellter Abschnitt besichtigt werden.